KI – zum Lachen oder zum Fürchten?

Das Schlagwort „Künstliche Intelligenz“ (als KI abgekürzt und im englischsprachigen Raum als „artifical intelligence“ / AI bekannt) war schon vor fast vierzig Jahren zu meinen Studienzeiten in aller Munde – damals war das ganz neu und spannend. Echte Anwendungen der KI gab es damals natürlich noch nicht, dafür aber jede Menge toller Zukunftsvisionen … auch wenn zunächst die Grundlagenforschung stattfinden sollte.

Mittlerweile ist die KI den Kinderschuhen entwachsen und befindet sich möglicherweise in der Pubertät – so könnte man meinen.

Das Internet bietet fast täglich neue Spielwiesen, auf denen die KI nicht nur Texte schreibt, Bilder zeichnet oder Videos verfälscht – mittlerweile gibt es sogar ernsthafte Versuche, die KI in der Musik einzusetzen.

Einen sehr eindrucksvollen Beitrag hierzu habe ich letzthin auf Radio Matchbox gehört – dort lief der von Aqua im Mai 1997 erstveröffentlichte Titel „Barbie Girl“ in einer Version von „Johnny Cash“, gestorben 2003 … aber natürlich hat Johnny Cash diesen Titel nie selbst gesungen.

Noch eindrucksvoller ist es, wenn an sich von den bewegten Bildern nicht ablenken lässt:

Augen zu und daran glauben – hier singt Johnny Cash!

Nein, natürlich nicht.

Stattdessen wurde hier mittels KI etwas geschaffen, was es eigentlich nicht gibt.

Und genau DAS passiert mit KI allerorten.

Adobe bietet mit Firefly einen KI-gestützten Bildgenerator an, der – je nach Formulierung der an ihn gestellten Anforderungen – sehr überzeugende oder eben eher wenig brauchbare Resultate liefert. Bitte selbst ausprobieren: es genügt die Anmeldung z.B. mittels einer Google-Adresse, um erste Schritte selbst zu versuchen.

Das Bild vom zeitungslesenden Hund ist lustig, aber nicht sehr realistisch … aber das Bild der Heckwelle hinter einer Motoryacht wirkt schon ziemlich real.

Eines der bekanntesten KI-Systeme ist sicherlich ChatGPT; hier kann man seine Frage oder Anforderung schriftlich (eben: in einem Chat) formulieren und die KI gibt dann eine sehr überzeugend klingende Antwort auf die Frage … das ist extrem beeindruckend, aber auch extrem gefährlich.

Warum ist das gefährlich?

Weil die KI hier hemmungslos und im Brustton der Überzeugung schwindelt.

Sie schwindelt, weil sie eben nicht immer im Besitz des korrekten Wissens ist und / oder die ihr zur Verfügung stehenden Wissenshäppchen nicht richtig zusammenfügt; gerade bei ChatGPT führt das zu kuriosen bis gefährlichen Ergebnissen (ich würde niemandem empfehlen, Reparaturen an technischen Geräten auf Basis der Anweisungen aus ChatGPT vorzunehmen!)

Ein Beispiel für die Schwindelei gefällig?

Ich wollte von ChatGPT wissen, was es über meinen Vorfahren „Anton Matthias Sprickmann“ weiss (A.M. Sprickmann lebte von 1749 bis 1833 in Münster, seine Vita ist recht gut bekannt).

Ich stellte also die Anfrage „Wer war Anton Matthias Sprickmann?“ und bekam als erste Antwort:

Anton Matthias Sprickmann (1892-1972) war ein deutscher Unternehmer und Gründer des Sprickmann-Imperiums, das sich auf den Handel mit Rohstoffen, insbesondere mit Gummi, spezialisiert hatte.

Sprickmann wurde in eine wohlhabende Kaufmannsfamilie in Osnabrück geboren. Im Alter von 20 Jahren gründete er ein Handelsunternehmen für Kaffee und Kakao in Hamburg. Wahrend des Ersten Weltkriegs verdiente er sein Geld als Kriegshändler.

Nach dem Krieg erweiterte er sein Geschäftsfeld und handelte mit Rohstoffen wie Kautschuk und anderen natürlichen Ressourcen.

In den 1920er und 1930er Jahren baute Sprickmann ein erfolgreiches Handelsimperium auf und erwarb zahlreiche Plantagen in Asien und Afrika, um die Rohstoffversorgung seines Unternehmens zu sichern. Während des Zweiten Weltkriegs wurde Sprickmann aufgrund seiner Kontakte zum NS-Regime verhaftet und interniert, aber spater wieder freigelassen.

Nach dem Krieg setzte Sprickmann seine Geschäfte fort und expandierte sein Unternehmen in den Bereich des Bergbaus und der Metallurgie. Er starb im Jahr 1972 im Alter von 80 Jahren.

Heute ist das Sprickmann-Imperium nicht mehr existent, aber die Geschichte von Anton Matthias Sprickmann und seinem Unternehmen bleibt ein wichtiger Teil der deutschen Wirtschaftsgeschichte.

Wow, toll. Nur leider vollkommen abstrus.

Ich wiederholte die Anfrage „Wer war Anton Matthias Sprickmann?“ und lernte schon wieder etwas Neues:

Anton Matthias Sprickmann (auch bekannt als A. M. Sprickmann) war ein deutscher Mediziner und Botaniker, der im 18. Jahrhundert lebte. Er wurde am 17. April 1714 in Münster geboren und starb am 23. Februar 1779 in Heidelberg.

Sprickmann studierte Medizin und Naturwissenschaften an den Universitäten von Münster, Leiden und Paris. Er wurde 1739 zum Doktor der Medizin promoviert und arbeitete anschließend als Arzt in Münster, bevor er 1749 eine Professur für Botanik und Medizin an der Universität Heidelberg übernahm.

Sprickmann war ein Experte auf dem Gebiet der Botanik und schrieb mehrere Bücher über Pflanzen und ihre medizinischen Eigenschaften. Er war auch einer der Gründer der Heidelberger Botanischen Gesellschaft und arbeitete eng mit anderen prominenten Botanikern seiner Zeit zusammen.

Sprickmanns wissenschaftlicher Beitrag auf dem Gebiet der Botanik und Medizin ist bis heute von Bedeutung und seine Bücher werden noch immer in der Forschung und Lehre verwendet.

Auch sehr eindrucksvoll. Aber leider ebenso weit entfernt von der Realität.

Einen dritten Anlauf startete ich mit derselben Fragestellung „Wer war Anton Matthias Sprickmann?“ und wurde folgendermaßen informiert:

Anton Matthias Sprickmann war ein deutscher Maler des 19. Jahrhunderts, der vor allem für seine Landschaftsmalereien bekannt ist. Er wurde am 18. Dezember 1807 in Münster geboren und verstarb am 19. Januar 1848 in Rom.

Sprickmann studierte zunächst Jura und Geschichte, bevor er sich dem Studium der Malerei zuwandte. Er studierte in den Jahren 1830 bis 1836 an der Kunstakademie Düsseldorf unter anderem bei Johann Wilhelm Schirmer und Theodor Hildebrandt. In der Folgezeit bereiste er Deutschland, die Niederlande, Belgien, Frankreich und Italien und schuf eine Vielzahl von Landschaftsgemälden, die oft von der Natur und der Stimmung der verschiedenen Landschaften geprägt sind.

Sprickmann gilt als Vertreter der Düsseldorfer Malerschule und war ein wichtiger Impulsgeber für die Landschaftsmalerei in Deutschland im 19. Jahrhundert. Seine Were sind heute in vielen Museen und Sammlungen zu finden.

Ja, schon toll, was der Vorfahre alles hätte sein können.

Aber eben alles auch „erstunken und erlogen“, wie man klar sagen sollte.

Meine Einschätzung: mit der zunehmenden Verbreitung der KI wird es immer schwieriger werden, in der Menge der verfügbaren Informationen zwischen „zutreffend“ und „fake news“ zu unterscheiden. Diese Unterscheidung wird nur noch Fachleuten in ihrem eigenen Fachgebiet möglich sein, die eben imstande sind, aufgrund ihres Fach- und Vorwissens die KI-Antworten hinsichtlich der Plausibilität einzuschätzen.

Das bedeutet aber, dass die KI keine Experten ersetzen können wird – im Gegenteil, sie benötigt sie als Kontrolle- und Korrekturinstanz.

Zumindest vorläufig. Wie das einmal aussehen wird, wenn die KI die Pubertät verlassen haben und erwachsen geworden sein wird?

PS: auch WordPress (mit diesem System wird diese Webseite betrieben) bietet neuerdings einen „AI“-Assistenten an. Auf die Frage „´wer war Anton Matthias Sprickmann?“ kommt auch hier eine zusammenfantasierte Vita …aber immerhin wird vor der Qualität der Inhalte gewarnt …

Eine Antwort auf „“

  1. Juten Tach 🙂

    Danke für diesen interessanten Artikel! Gut!

    ChatGPT (oder auch Bard von Google) sind (noch) sehr einfache Systeme. Aber schon sehr beeindruckend! Es ist eben KI. Aber das ist nicht sooo neu. Denn KI gibt es nicht erst seit ChatGPT. Schon seit vielen Jahren haben wir KI in unserem Smartphones, und nicht nur dort! Man denke nur an Alexis von Amazon!

    Ob diese „Dinge“ eher gut oder eher schlecht sind? Diese Frage stellt sich mir als gelernter Informationstechniker Meister nicht! Denn ich bin weltoffen, und stehe neuen Dingen nicht abweisend gegenüber. Und; wir können diese Dinge, diese Entwicklung nicht ändern! Die Dinge werden sich so entwickeln, wie sie sich entwickeln müssen!

    Das ist NICHT aufzuhalten. Was bleibt ist die Hoffnung, das am Schluss (wann ist der Schluss, ich weiß es nicht!f) alles gut wird. Es wird alles gut! Ich bin sicher!

    VG, Jürgen B.
    PS: wenn man einem Schlaumeier wie ChatGPT, oder auch Bard von Google (bard dot google dot com) eine Frage stellt, muss man diese EXAKT definieren! Denn auch ein Mensch kann die Frage

    „Wer war Anton Matthias Sprickmann?“

    nicht eindeutig beantworten!

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