Mal was ganz anderes … warum eine deutsche Traditionsmarke so abstinkt.

Ich muss ein bisschen ausholen … schon seit frühesten Kindertagen galt für mich die Marke „WMF“ als Inbegriff deutscher Wertarbeit – im Geiste waren das Dinge, die man anschaffen und ein Leben lang nutzen kann.

Ist natürlich nicht so.

Wir haben zwar seit über zwanzig Jahren Besteck von WMF im Gebrauch, aber dieser Traditionskonzern hat nach einigen Wechseln in der Eigentümerstruktur mittlerweile auch wesentliche Teile seiner Fertigung nach China verlagert (was – wenn man’s richtig macht, ja keinen qualitativen Nachteil bedeuten muss).

Kauf

Im Juni 2019 sprach nicht viel gegen den recht spontanen Kauf eines WMF-Standmixers „kult pro“, der vom Design her ansprechend aussah und auch einen wertigen Eindruck machte. Für ungefähr 125 EUR („Angebotspreis“) im lokalen WMF-Geschäft erstanden, stellte sich dieser Neuzugang aber recht bald als zickiges Küchengerät heraus.

Reklamationen

Nach mehreren Ausfällen wandte ich mich als ans Verkaufsgeschäft und bat um Ersatz – das wurde abgelehnt. Nach einigem Hin und Her nahm man unser Gerät jedoch „zur Reparatur“ entgegen.

Ich nutzte die Gelegenheit und schriebh parallel an die Kundenbetreuung der Fa. WMF in Geislingen:

…,
der Name WMF stand für mich seit meiner Kindheit vor 50 Jahren für höchste Qualität, die nicht billig ist, aber durch Langlebigkeit ihren Wert darstellt.
Mit diesem Bild im Hinterkopf ließ ich mich in Begleitung meiner Ehefrau am 08.06.2019 zum spontanen Kauf eines „Kult pro“ hinreißen; wir erwarben dieses Gerät in Ihrer Filiale xxxxx nicht zuletzt aufgrund der intensiven Bewerbung durch Ihre Mitarbeiterin.
Leider zeigte sich schon nach viermaliger Nutzung ein sporadischer Funktionsausfall – immer wieder versagte der Mixer das Einschalten, vorzugsweise dann, wenn der Glasbehälter gerade eben frisch mit Obst gefüllt war.
Ursächlich hierfür ist m.E. die konstruktiv mangelhaft ausgeführte Betätigung des Sicherheitsschalters in der Aufnahme, welche durch einen unexakt positionierten Blechstreifen nicht sicher arbeitet.
Am 26.07.2019 ließ sich das Gerät in unserem Hause dann gar nicht mehr einschalten, also warfen wir das frische Obst weg, säuberten das Gerät und wurden in der Verkaufsfiliale vorstellig. Dort ließ sich der sporadische Fehler nicht reproduzieren; unsere Forderung nach einem Austausch bzw. einer Instandsetzung wurde nur widerwillig akzeptiert. Letztendlich nahm man das defekte Gerät entgegen, um es „einzusenden“, wir sollten innerhalb von sieben bis zehn Tagen zumindest Auskunft, eher aber den instandgesetzten Mixer zurückerhalten.
Ein Tauschgerät verweigerte man uns, das „käme zu teuer“.
Mittlerweile sind 14 Tage vergangen, eine Information über den Fortgang steht nach wie vor aus.
Zwischenzeitlich konnten wir jedoch erfahren, dass wir mit einem solchen Problem nicht alleine dastehen; gerade diese Mixer sind für Tausende unzufriedener Kunden regelmäßiger Reklamationsgrund. Einschlägige Internetforen sind voll von Erfahrungsberichten verärgerter Kunden – hätte ich das mal vorher gelesen…

Warum schreibe ich das so ausführlich? Ganz einfach:

Einerseits sollte WMF seine Ladengeschäfte so betreiben, dass ein dort kaufender Kunde nicht schlechter gestellt wird als ein Online-Kunde (bei Amazon hätte ich das defekte Gerät zurückgesandt und innerhalb von 24 h entweder eine Ersatzlieferung oder eine Gutschrift erhalten, mal abgesehen vom Online-Preisvorteil. Dass gerade jetzt in den Sommerferien ein voll bezahltes Gerät zur Zubereitung von Smoothies für die Kinder nicht verfügbar ist, ist mehr als ärgerlich – und erzwingt jetzt wohl die Ersatzanschaffung eines Gerätes einer anderen Marke)

–  Andererseits ist es für eine Marke wie WMF hochgefährlich, das bestehende gute Image durch den Vertrieb von solch schlechten und fehleranfälligen Geräten unter dem Markennamen zu gefährden
Dass vom Verkaufshaus xxxxx zugesagte Kommunikation unterbleibt, passt ins Bild.
Für uns selbst ziehen wir die Konsequenz, die Marke WMF komplett aus unserer Einkaufsliste zu streichen.

Freundliche Grüße, …

Was geschah dann?

Erstmal nichts, aber dann kam ein Anruf aus dem Ladengeschäft – unser Mixer sei wieder da. Ich fuhr dort also hin, und statt unseres neuwertigen Gerätes in Originalverpackung begrüßte mich dort ein Karton voller Einzelteile eines ramponierten Mixers mit verbeultem Blechgehäuse. „Das ist nicht unserer!“, reklamierte ich und verweigerte die Annahme, nachdem mir die Mitarbeiterin auch treuherzig versichert hatte, dass kein Fehler zu finden gewesen sei.

Den Rest der Geschichte erspare ich Euch … wir haben unser urspüngliches Gerät nie wiedergesehen.

Nix mehr WMF.‘
Alternativen gesucht.
BlendTec gefunden.

Jedenfalls wurde in unserem Haushalt kein WMF-Mixer mehr in Betrieb genommen, stattdessen beschäftigte ich mich eine ganze Zeitlang mit möglichen Alternativen und stieß bald auf die amerikanische Marke „BlendTec“, die einigen sicher durch ihre Werbekampagne „will it blend?“ bekannt ist.

Diese Hochleistungsgeräte werden in der Gastronomie gerne verwendet, und meine entsprechenden Erkundigungen führten zu ausnahmslos positivem Feedback.
Dummerweise sind die BlendTec-Mixer recht teuer; Preisbrecher findet man im Internet keine.
Andererseits: ein Listenpreis von ca. 170 EUR für den unbrauchbaren WMF-Mixer relativiert den Preis von 400-500 EUR für einen BlendTec mit 8 Jahren Werksgarantie (!) dann doch.

Beim Anbieter „Grüne Perlen“ fand ich neben einer Masse lesenswerter Informationen auch einen vernünftigen Preis, so dass ich dort einen „Total Blender 2018“ nebst einigem Zubehör bestellt habe.

Das Bild stammt von der Webseite des Shops … aber „rot“ sieht auch in echt gut aus 🙂

Dieses Gerät ist nun seit einiger Zeit bei uns im täglichen Betrieb und im Vergleich zum unseligen Vorgänger sind doch etliche positive Dinge festzustellen:

  • die Leistungsentfaltung ist brachial – selbst große Eiswürfel werden in kürzester Zeit nicht zu Schnee, sondern einfach zu kaltem Schaum
  • ein wesentlicher Unterschied in der Funktion ist im Design des großen Behälters zu sehen: durch die Ecken wird das Mixgut nicht in eine gleichförmige Drehbewegung versetzt, sondern immer wieder gebremst und durcheinandergeworfen, was dazu führt, dass große Brocken sofort zerkleinert werden (konnte ich nachvollziehen, da wir auch einen kleinen runden Behälter „ohne Ecken“ für den BlendTec haben, der das eben zeigt)
  • das Reinigen ist ein Klacks im Vergleich zum WMF (dieser hatte nämlich scharfe Messer, deren Lagerbasis mit einem Dichtring unten in den Glaskrug eingesetzt werden musste … frickelig und oft nicht ganz dicht) – die BlendTec-Behälter werden einfach mit etwas Wasser und Spülmittel gefüllt, kurz betrieben und dann mit klarem Wasser abgespült – fertig. Da ist nichts weiter zu zerlegen, keine Verletzungsgefahr, da keine scharfen Messer – perfekt!
  • Geräuschentwicklung? Na ja, auch der WMF war nicht zu überhören. Außerdem läuft solch ein Gerät ja höchstens minutenweise.

Wenn der geneigte Leser bis hier durchgehalten hat und evtl. selbst an einem solchen Hochleistungsgerät interessiert ist: bei „Grüne Perlen“ ist mit dem Code „AGS820“ ein Rabatt von 1,5 % zu bekommen – natürlich auch für andere Fabrikate und Modelle im Shop.

Fazit

Zurück zum Anfang … warum die deutsche Traditionsmarke „WMF“ dermaßen abstinkt? Weil man nicht begriffen hat, dass ein guter Ruf auch gute Produkte erfordert.
Weil man nicht begriffen hat, dass Service und Produktqualität langfristig wichtiger sind als „bester Preis“.
Weil man die Konkurrenz cleverer Online-Anbieter unterschätzt.
Weil … man vielleicht einfach von der Zeit überholt wurde.

Tut mir leid für Euch.

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