Nochmal Gummi – nein: Leder!

Das Projekt „400 E“ schreitet voran.

Nachdem die Bereifung und die Spiegeldreiecke erneuert wurden und auch der Einsatz als Begleitfahrzeug auf der 69. ASC-Deutschlandrallye erfolgreich verlaufen ist, kommt jetzt ein weiteres Detail dran, welches mich schon lange stört: ich verstehe einfach nicht, wieso der Erstkäufer in der Schweiz zwar Wurzelholz und eine sehr hochwertige Audioanlage geordert hat, es dann aber bei ganz einfachen Sonnenblenden ohne Spiegelbeleuchtung sowie einem einfachen „Gummilenkrad“ belassen hat … solch ein Ding gehört doch eher in einen Handwerkerauto oder ein Taxi, nicht aber in ein Luxusfahrzeug.

Gut – die alten Sonnenblenden bleiben erstmal, und ob der Wählhebel nun lederbezogen ist oder einen Kunststoffgriff hat, ist mir auch (fast) egal. Aber das Lenkrad kann und will verbessert werden.

Bei eBay finde ich einen Anbieter in Polen, der ein passendes überarbeitetes Lenkrad anbietet und auch kein Tauschteil dafür braucht (das wäre nämlich ungünstig, denn dann stünde der Wagen einige Tage oder gar Wochen unbeweglich). Zum fairen Preis erstehe ich also ein neu überarbeitetes Ledervolant im passenden Format, allerdings ohne Airbag und Schleifringe … diese müssen also aus dem vorhandenen Teil umgebaut werden.

Eigentlich ist das alles keine schwierige Operation, aber die Tücke steckt doch im Detail. Daher bitte ich meinen Freund Martin um Unterstützung, der das schon an anderen Mercedes-Modellen gemacht hat – und das war eine gute Idee, wie sich rasch herausstellt.

Zunächst wird die Batterie im Kofferraum abgeklemmt und überprüft, dass keine Restladung mehr im Bordnetz schlummert (Licht an, einige Minuten warten). Dann werden auf der Rückseite des Lenkrades mit einer Torx-30-Verlängerung die Befestigungsschrauben des Airbag-Einsatzes gelöst und der Einsatz vorsichtig nach vorne abgenommen. Achtung: der rote Stecker des Anschlusskabels muss vorsichtig abgehebelt werden. Der ausgebaute Airbag ist passend abzulegen (Prallplatte nach oben).

Dann erfolgt die eigentliche Demontage des Lenkrades; hierfür ist ein „zweiter Mann“ nahezu unabdingbar. Zündschloss entriegeln (wichtig, damit es nicht beschädigt wird), dann mit einem Innensechskant 10 mm und einer Verlängerung die Zentralschraube lösen. Nach Entfernen der Schraube lässt sich das Lenkrad abziehen.

Die Gelegenheit ist günstig: jetzt können die Kontaktstifte und der Stummel der Lenksäule gereinigt werden; hier hat sich über 33 Jahre doch enorm viel schwarzer Abrieb angesammelt! (Spoiler: netter Nebeneffekt – die Schabe- und Quietschgeräusche, die bisher bei stärkeren Lenkbewegungen aus dem Bereich der Schleifringe zu vernehmen waren, sind nach der Reinigung verschwunden.)

Der Umbau der „Lenkradinnereien“ ist nun eigentlich selbsterklärend, benötigt aber doch Geduld und passendes Werkzeug. Die Kontaktplatte (Schleifring) lässt sich von der Vorderseite des Lenkrades aus vorsichtig herausdrücken und rastet beim Einbau auch leicht wieder ein. Aufpassen: alle Schrauben erstmal nur lose eindrehen, damit das Konstrukt passend ausgerichtet werden kann.

Wenn alles ausgerichtet ist, werden die Schrauben (4 x im Topf, 5 x an der Hupenwippe) gefühlvoll festgezogen. Kabeldurchführung und Steckkontakte werden montiert wie vorher.

Die Remontage des Lenkrades erfordert eine saubere Ausrichtung: die Räder sollten gerade stehen, dann müssen die Markierungen auf der Lenksäulenverzahnung und im Lenkradinneren in Flucht gebracht werden – das Lenkrad wird auf den Vielzahn aufgeschoben und mit einer (neuen!) Zentralschraube mit 80 Nm festgezogen (auch hier ist der „zweite Mann“ eine grosse Hilfe). Abschliessend wird der Airbageinsatz erst wieder elektrisch angesteckt, danach eingesetzt und von der Rückseite her mit zwei Schrauben befestigt.

Nach dem Wiederanschluss der Batterie erfolgt der Funktionstest: funktioniert die Hupe? Bleiben die SRS-Warnleuchten auch in jeder Lenkradstellung aus?

Dann können der Radiocode und die Zeituhr wieder justiert werden – fertig.

Sieht doch gleich besser aus.

Neues Lenkrad mit altem Airbageinsatz

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