Wunschmaschine gegen Gebühr

Am 22.12.1920 fand in Deutschland die erste offizielle Rundfunksendung statt – es war die Übertragung eines privaten Weihnachtskonzertes von Postbeamten im brandenburgischen Königs-Wusterhausen.

Das ist jetzt genau einhundert Jahre her … und in diesen 100 Jahren hat sich „das Radio“ (wie der Ton-Rundfunk in Deutschland umgangssprachlich genannt wird) in einiger Hinsicht fort-, in anderer aber auch wieder zurückentwickelt.

Was aber gleichgeblieben ist, ist die Gebührenpflicht in Deutschland – kein Witz. (Der erste offizielle Rundfunkteilnehmer in Deutschland war Wilhelm Kollhoff – er musste jährlich 350 Milliarden Mark für das Empfangsrecht zahlen … gut, es herrschte Inflation, aber dennoch war das viel Geld). Über die Finanzierung des Rundfunkwesen in Deutschland wird aktuell auch wieder heftig diskutiert.

Schon 1922 hatte Walter Lippmann in seinem Werk „Public Opinion“ (dt.: „Die öffentliche Meinung“) festgestellt, dass die Medien durch ihre Auswahl der dargestellten Ereignisse und deren Wertung die öffentliche Meinung erzeugen (und auch dieser Befund ist brandaktuell – siehe hier).

Die daraus erklärliche sehr hohe Bedeutung des öffentlichen Rundfunks in der Nazizeit ist schon oft dargestellt worden; nach dem Zweiten Weltkrieg wurde mit guten Gründen das heute noch bestehende System der „Öffentlich-Rechtlichen Anstalten“ eingeführt und seit den 1980ern auch um private Sender ergänzt. Dass sich seither ein Wandel in der Radiolandschaft eingestellt hat (und auch noch andauert), hat wohl jeder mitbekommen, der die letzten Jahre nicht nur unter einem großen Stein verbracht hat.

Allerdings hat das Radio seine frühere Wichtigkeit als alleiniger Informationskanal zunehmend ans Fernsehen, mittlerweile vielleicht sogar mehr noch ans Internet verloren. Und auch die Unterhaltungsfunktion des Radios ist nicht mehr konkurrenzlos – wer sich ein paarmal zu oft kräftig über nerviges Gequatsche und viel zu laute Werbeblöcke geärgert hat, wandert leicht ab zu Konkurrenzangeboten wie Spotify, Amazon music oder einem werbefreien Webradio wie PopStop (siehe auch mein früherer Beitrag).

Aber bei allem Wandel und allen neuen Wettbewerbern: mich persönlich hat Radio nun seit über 50 Jahren schon begleitet, und ich würde es vermissen. Deshalb Herzlichen Glückwunsch zum Hundertsten, und eine erfolgreiche Zukunft!

Ein Hinweis sei noch erlaubt … anlässlich des Rundfunkjubiläums habe ich im Netz etliche Texte gelesen – aber dieser hier hat mir besonders gut gefallen und ich empfehle die Lektüre.

Zitat:

Aber was macht das Wesen von Radio aus? Die innige, freundschaftliche Verbundenheit mit den Stimmen von Menschen, die man nie zu Gesicht bekommt. Moderatoren, die Familienanschluss erhielten, ohne die Fußmatte dreckig zu machen. Zu denen man über Jahre ein persönliches Verhältnis wie zu einem guten Nachbarn, Kumpel oder der besten Freundin aufbaut. Mitunter in der Illusion, es mit vielen anderen gleichzeitig zu erleben. Ein soziales Netzwerk lange vor Social Media.

 

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