Deutschland kann digital. NICHT.

Ich habe derzeit ein kleines Problem.

Nur ein klitzekleines zwar, aber ich bekomme es nicht gelöst … und vielleicht wird das Problem bald doch etwas größer … worum geht es?

Sowohl ich selbst auch auch meine Ehefrau haben jeweils einen Personalausweis sowie einen Reisepass, die – weil wir sie seinerzeit gleichzeitig beauftragt hatten – auch alle gleichzeitig im Februar 2022 ihre Gültigkeit verlieren werden.

Das wissen wir natürlich schon länger, und nach unserem letzten Auslandsurlaub im vergangenen September habe ich mich darangemacht, eine Verlängerung (bzw. Neuausstellung) dieser Papiere zu beantragen.

Leider hat das Nürnberger Einwohneramt (nein: seit einiger Zeit heisst es „Bürgeramt Mitte“, das soll wohl mehr Kundennähe signalisieren …) für Passangelegenheiten keine spontanen Zugangsmöglichkeiten mehr vorgesehen, stattdessen muss man sich über eine spezielle Seite („Stadt Nürnberg – Bürgeramt digital„) online einen Termin vereinbaren.

Das hatte ich also schnell herausbekommen und dann ab September 2021 erst im Abstand von einigen Tagen, dann mit zunehmender Frequenz, versucht, mir dort online einen Termin zu verschaffen.

Leider hatte ich nie Glück.

Egal, an welchem Wochentag.

Egal, zu welcher Tageszeit.

„Kein freier Termin verfügbar“ – auch nicht an einem anderen Standort (was in unserem Fall wahrscheinlich nichtmal sehr sinnvoll wäre) – nie und nirgends ein freier Termin zu bekommen.

Angeblich werden morgens gegen 08:00 h neue Termine für den jeweiligen Tag freigeschaltet: kein Erfolg.

Angeblich werden Freitags gegen 11:00 h Termine für die Folgewoche(n) freigeschaltet: keine Chance.

So ganz allmählich werden wir nervös, denn ab Februar 2022 werden uns dann nicht nur Auslandsreisen unmöglich sein; in der derzeitigen Corona-Situation könnten wir auch in Schwierigkeiten kommen, da wir bei einer „2-G-Kontrolle“ zwar Impfzertifikate vorweisen können, mit abgelaufenen Personalpapieren jedoch ein gefundenes Fressen für schlechtgelaunte Kontrolleure sind („Sie haben keine gültigen Ausweispapiere, wie können Sie nachweisen, dass Sie wirklich Sie sind?„). Blöd, sowas.

Daher habe ich es (das „Bürgeramt Mitte“ gibt sinnvollerweise ja keine telefonischen Erreichbarkeiten an) über das „Bürgertelefon“ der Stadtverwaltung Nürnberg versucht; dort hatte ich recht rasch eine sehr nette und verständnisvolle Dame an der Leitung, die sich mein Problem anhörte.

„Ja“, sagte sie, „das ist schwierig. Haben Sie es morgens um kurz nach acht versucht?“ – Ja, erfolglos. „Haben Sie es auch am Freitagmittag versucht?“ – Ja, mehrfach, erfolglos.

„Hmm, das ist aber ungünstig. Bleiben Sie mal dran, ich versuche, Sie durchzustellen!“.

Das versuchte sie dann netterweise viermal innerhalb von 25 Minuten – erfolglos. „Das tut mir leid! Ich weiss aber sicher, dass die Kollegen da sind!“

Können Sie mir eine Durchwahlnummer geben, damit ich es selbst versuchen kann?

„Nein, dann bekomme ich Schwierigkeiten!“.

Aha, „Bürgertelefon“, merke ich.

Gut, haben Sie eine Eskalationsmöglichkeit?

„Ich kann intern ein Ticket aufmachen, aber Sie müssen mit einer Antwortdauer von rund drei Wochen rechnen …“

Ja, machen Sie das bitte!

„Wollen Sie wirklich drei Wochen warten?“

Ja, notfalls schon, denn ich probiere es nun schon deutlich länger als drei Wochen, ohne jeden Fortschritt.

Also hat die nette Dame „ein Ticket eröffnet“, eine Bestätigung über diesen Vorgang bekommt der hilfesuchende Bürger natürlich nicht. „Man meldet sich dann bei Ihnen, ganz sicher!“. Aha.

Sicherheitshalber habe ich anschließend natürlich auch das Kontaktformular der Stadt Nürnberg – Bürgeramt digital mit meinem Anliegen gefüllt und abgesendet … aber auch hier bleibt jedes Feedback aus, sieht man von einer kurzzeitig eingeblendeten Meldung mit einer Referenznummer ab, die man bei weiteren Kontaktaufnahmen vorzubringen habe.

Nett. Die einzige Empfangsbestätigung.

Irgendwie bin ich jetzt am Ende meiner Möglichkeiten angekommen … wie kann man hier noch weitermachen, wenn man nicht zufällig den Bürgermeister persönlich kennt?

Besonders ungünstig: Teile unserer Familie wohnen im Ausland, und zwar in einer Gegend, die zur Einreise einen deutschen Reisepass mit einer Restgültigkeit von mindestens drei Monaten voraussetzt … da hoffen wir einfach einmal, dass wir nicht aus dringendem Anlass in den nächsten Monaten dorthin reisen müssen.

Moral von der Geschichte: Deutschland kann (vielleicht) digital. Will es aber nicht. Aber das merken wir ja auch im Umgang mit Covid-19 …

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