Letzthin bekam ich einen traurigen Brief, und das gleich zweimal, im Abstand weniger Wochen – das Optikgeschäft PESCHKE in der Nürnberger Altstadt wird in Kürze den Betrieb einstellen, weil sich kein Nachfolger gefunden hat.
Wir kennen diesen Optiker seit vielen Jahren; unsere gesamte Familie hat dort immer wieder gerne gekauft und – natürlich – auch den immer freundlichen Service für kleinere und grössere Reparaturen in Anspruch genommen.
Ich bin nicht sicher, wie lange es diese Firma dort schon gibt, aber das Gebäude stammt aus der Zeit um 1900; der Innenaufzug von 1927 und mindestens seither residiert dort auch die Firma Peschke.
Nun, es war also Zeit für einen Abschiedsbesuch.
Der Chef liess es sich nicht nehmen, mir nach einem letzten Rundgang ein Souvenir mitzugeben – so kam ich unverhofft in den Besitz eines wunderschönen großen Thermometers aus Emaille, vermutlich aus den 1930ern (so genau wusste er es selber nicht).

Toll. Einzigartig.
Ich wollte das ja erst gar nicht annehmen, liess mich aber dann doch gerne überreden (ja, ich mag solch alte Dinge…).
Leider war schon seit vielen Jahrzehnten die Kapillare defekt, so dass das Thermometer keinen praktischen Nutzen mehr hatte und in der Werkstattecke auf bessere Zeiten wartete.
Ist denn solch eine Antiquität in Zeiten digitaler Messgeräte nicht doch noch reparabel?
Tatsächlich konnte ich nach etwas Internetrecherche einen Fachbetrieb finden, der analoge Thermometer anfertigt und instandsetzt – die Firma thermometershop.de hat zwar einen ziemlich unscheinbaren Webauftritt, aber einen tollen Service.
Nach meiner eMail-Anfrage vom späten Freitagabend bekam ich bereits am Samstagvormittag eine nette Antwort samt detaillierten Instruktionen, welche Maße denn wichtig seien, um eine passende Ersatzkapillare anzufertigen.




Bestellung und Bezahlung per PayPal – und tatsächlich wurde nun wenige Tage später eine sehr gut verpackte Sendung geliefert.
Darin eine sehr filigrane und schlanke Ersatzkapillare mit einem verblüffend kleinen Dehnungsgefäß – natürlich musste ich mich gleich an den Einbau machen.
Die alten Blechteile wurden zerlegt und gereinigt, dann die neue Kapillare eingesetzt. Zur Fixierung ist etwas Heisskleber hilfreich, denn die alte Kapillare aus der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts war mehr als doppelt so dick und die emaillierten Haltebügel möchte ich nicht entsprechend flachbiegen … denn dann platzt die Beschichtung sicherlich ab.








Dann alles wieder vorsichtig zusammenbauen, und – wir haben ein zauberhaftes altes analoges Messgerät, das einen Ehrenplatz an einer geschützten Wand auf dem Balkon findet.

Optik Peschke wird bald Geschichte sein – das alte Thermometer erinnert mich dennoch gerne daran.
Der „Thermometershop Bach“ allerdings wird hoffentlich noch lange weitermachen – denn solche Spezialitäten gibt es nicht bei Amazon oder Temu.
Ach – und sonderlich teuer war das jetzt auch nicht … ich finde sogar: verblüffend preiswert.
Klare Empfehlung!



Das ist ja toll! Ich hätte nicht gedacht das man sowas noch reparieren kann. Das finde ich eine echt interessante Information
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Ja, mich hat’s ja auch sehr positiv überrascht. Ich hoffe, dass solche „Perlen“ noch lange bestehen bleiben!
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