Ausflugsziel: DFG mit Fahrbetrieb

Über die mangelhafte Außendarstellung der Saarländer könnte man sich ja jedesmal aufs Neue wundern … so gilt dieses kleinste Flächenland der Bundesrepublik im Rest Deutschlands wahlweise als zurückgeblieben, spiessig, frankophil oder arm … was sicher auch irgendwo nicht ganz ohne Berechtigung ist.

Allerdings bietet das Saarland eben auch eine Menge an Attraktionen und Ausflugszielen, die man hier nicht erwarten würde. Über den Baumwipfelpfad an der Cloef habe ich schon berichtet. Etwas zentraler gelegen und (nicht nur) bei schönem Wetter ein entspanntes Ziel ist der Deutsch-Französische Garten („DFG“), in der Landeshauptstadt Saarbrücken etwas versteckt gelegen.

Dieser Park wurde Ende der 50er Jahre im Zusammenhang mit dem Wiederanschluß des Saargebietes an Deutschland auf einem früheren Schlachtfeld eingerichtet (noch heute kann man Reste von Bunkern sehen). 1960 fand eine „deutsch-französische Gartenschau“ statt, und das Gelände dient seither als Naherholungsgebiet. Bis in die 70er Jahre hinein war der Eintritt gebührenpflichtig, und nach einigen Jahren des Verfalls in den 80er / 90er Jahren hat sich die Stadt Saarbrücken wohl doch dazu entschlossen, dieses Kleinod nicht länger verfallen zu lassen.

Heute ist der DFG eine wahre Zeitkapsel, insbesondere wenn in den Sommermonaten auch die Fahrgeschäfte in Betrieb sind.

2018-05-21 12.19.25 IMG_6975.jpgNeben einer Parkeisenbahn gibt es hier eine Sesselbahn, die aussieht, als sei sie seit den 1960ern nicht mehr modernisiert worden (nicht falsch verstehen: das wirkt alles recht gepflegt, aber fürchterlich altertümlich). Die Fahrpreise sind moderat – na gut, auch der Betreiber will überleben), und nach heutiger Einschätzung wäre eine solche Drahtseilbahn für den Personentransport in dieser primitiven Ausführung wohl kaum mehr genehmigungsfähig.

2018-05-21 12.20.05 IMG_6977.jpgDiese Fahrgeschäfte allesamt einmal auszuprobieren, macht gerade mit Kindern einen Heidenspaß. Zum Abschluss dann noch eine Runde mit dem Tretboot über den See – und es war ein gelungener Tag.

Das Saarland mit seiner Geschichte der Montanindustrie war jahrzehntelang geprägt von Eisenbahnen, schmalspurigen Industrie- und Förderbahnen, Drahtseilbahnen für den Kalk- und Kohlentransport … das ist heute alles weg und bestenfalls noch im Museum oder in aufgelassenen Steinbrüchen etc. zu erahnen. Sollte der DFG jetzt tatsächlich die letzten lebenden Relikte dieser Techniken im Saarland beinhalten? Dann müsste dieser Park samt seiner technischen Attraktionen aus den 60er Jahren sofort unter Denkmalschutz gestellt werden – wenn er’s nicht schon ist. (Nachtrag: der DFG scheint tatsächlich schon seit 2001 als „Einzeldenkmal“ unter Denkmalschutz zu stehen – ob das auch für die Fahrgeschäfte gilt, konnte ich aber nicht herausfinden)

Fazit: hier komm‘ ich gerne her – im Winter ist’s schön, im Sommer noch schöner.

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