Wanna test WansView – again ?

Vorgeschichte

In diesem Artikel hatte ich vor langer Zeit über meine Erfahrungen mit den preiswerten (um nicht zu sagen: billigen) IP-Kameras des chinesischen Herstellers „WANSVIEW“ aus den Jahren 2015 bis 2017 berichtet. Für eine reinrassige Apple-Systemumgebung hatten sich die Kameras als unbrauchbar erwiesen. Mein damaliges Fazit fiel ja recht durchwachsen aus:

abschließende Bewertung - WansView IP Kamera Q3

- Die Einrichtung ist für Laien nicht gerade trivial.
- Die iOS-App ist nach erfolgter Einrichtung der Kamera einigermassen brauchbar, um spontan das Geschehen vor der Kamera zu überprüfen und per Wischbewegung die angezeigte Position zu verändern.
- Die Gegensprechfunktion ist - na ja, wie will ich sagen? - mäßig, aber notfalls nutzbar.
- Als "Überwachungskamera" ist das Gerät aber ohne einen Windows-PC nicht einzurichten.

Nun hat sich der Vertrieb dieses Herstellers (hinter „Wansview“ versteckt sich übrigens „Shenzhen Smarteye Digital Electronics Co.“) im Mai 2020 wieder einmal gemeldet – ob ich denn kein Interesse hätte, eine „1080p-USB-WebCam mit Mikrofon, für PC und Mac“ auszuprobieren? Man würde sich doch sehr freuen, wenn ich wie damals ein fundiertes Feedback abgeben wolle … also gut, da fühle ich mich doch geschmeichelt und lasse mir ein Exemplar über Amazon kommen (nachdem ich dieses bei Amazon zunächst selbst bestelle und auch wie üblich bezahle, gehe ich auch nicht davon aus, dass der Hersteller mir hier ein besonders gutes Testexemplar zukommen lassen kann – denn dann müsste Amazon ja von diesem Ansinnen wissen …).

Was wird geliefert?

Die Lieferung erfolgt (amazontypisch) innerhalb von 24 Stunden. Die Versandverpackung ist unglaublich klein: Taschenbuchformat. Und die eigentliche Kameraschachtel misst gerade einmal 80 x 95 x 55 mm … offensichtlich kommt man bei Wansview mittlerweile weitestgehend ohne Plastikumverpackungen aus. Nur ein einziger PET-Beutel von 135 x 135 mm schützt die Kamera innerhalb ihrer Schachtel – aber das ist zweckmäßig und geht so in Ordnung. Die Beschriftung verrät lediglich „Full HD 1080p WebCam“; sogar der Barcode zeigt nur eine unvollständige Typenbezeichnung.

Die Kamera kommt mit einem – Entschuldigung – Witz von Anleitung daher. Ein fotokopierter Zettel von 8 auf 9 cm zeigt in kleingedruckter Schrift und englischer Sprache ein paar grundlegende Informationen. Weil das dermaßen schmalspurig daherkommt, zeige ich hier die Bilder:

Installation

Okay, genug gemeckert. Ich will jetzt wissen, was die Kamera kann. Die Montage auf einem handelsüblichen Monitor mit schmalem Rahmen (in meinem Falle: LG 34UC99) gelingt zwar schnell, aber die Kamera sitzt da wirklich nicht sehr sicher und bewegt sich sofort, wenn das Kabel berührt wird.  Schön geht anders. Klar – Wansview verwendet keine federbelastete Klammer, sondern einen etwas eigenwilligen Mechanismus, der die Kamera nur lose fixieren kann. Immerhin ist die Kamera in ihrer Höhenneigung noch etwas schwenkbar, was aber nur mit zwei Händen gelingt.

Was mich aber wirklich stört: durch die gewählte Bauweise befindet sich die Kamera so niedrig, dass sie Teile des oberen Bildschirminhaltes verdeckt. In meinem Fall ist die Menüleiste hier partiell verschwunden; dieses Problem hängt aber natürlich stark davon ab, wie dick der Rahmen des verwendeten Monitors ausfällt.

Leider gibt es keine Befestigung für ein Standard-Stativgewinde, was die Einsatzmöglichkeiten doch deutlich erweitern würde.

Anschluß

macOS 10.15.4

Der elektrische Anschluß per USB gelingt am (zugeklappten – FaceTime-Kamera also deaktiviert) MacBook pro unter Nutzung des obligatorischen Adapters sofort; die Kamera wird unter macOS catalina (10.15.4) beim Start von FaceTime auch sofort erkannt und eingebunden. Sobald die Kamera betriebsbereit ist, wird dies durch ein ziemlich helles rotes LED auf der Vorderseite angezeigt. Diese rote LED könnte auf Dauer störend sein.

aus der Draufsicht

Im direkten Vergleich zur eingebauten FaceTime-Kamera (bei aufgeklapptem MacBook pro) sind die Bildausschnitte ähnlich, die Farbwiedergabe und Schärfe der Wansview-Kamera gefallen jedoch deutlich besser. Okay, das MacBook pro aus 2017 hat auch keine sehr tolle Frontkamera.

Windows 10

An einem einfachen HP-Notebook unter Windows 10 verliefen der elektrische Anschluß und die Inbetriebsetzung der Kamera ebenfalls problemlos. Hier konnte im direkten Vergleich mit der eingebauten Frontkamera des Notebooks festgestellt werden, dass die Wansview-USB-Kamera wie schon beim MacBook pro ein im Vergleich deutlich klareres und schärferes Bild liefert, aber eben auch einen größeren Bildwinkel besitzt, so dass „mehr aufs Bild kommt“.

Die Bild- und Tonqualität gehen also in Ordnung: das Bild ist recht hell, die Auflösung für Videokonferenzen allemal ausreichend, die Tonempfindlichkeit sogar ziemlich gut.

Was mir auffällt – die Kamera wird bei längerem Betrieb doch ziemlich warm. Ob stundenlange Videokonferenzen also wirklich dauerhaft ertragen werden, muss ein Langzeittest zeigen.

Fazit

Ich bin da etwas unschlüssig.
Einerseits gefällt mir die wacklige Montage auf dem Bildschirmrand überhaupt nicht, und das Verdecken von Bildschirminhalten ist ein No-Go.
Die mitgelieferte Dokumentation ist ein schlechter Witz.
Es ist weder eine vernünftige Produktkennzeichnung noch eine Supportadresse angegeben. Ein CE-Kennzeichen fehlt ebenfalls.

Andererseits macht das Produkt mechanisch einen ordentlichen Eindruck, die Bild- und Tonqualitäten übertreffen diejenige der üblichen Werkseinbauten bei Notebooks deutlich, und der elektrische Anschluß benötigt lediglich eine freie USB-2.0-Buchse.
Installationsmedien werden nicht benötigt.
Für Sicherheitsfanatiker und Aluhüte ist es toll, dass man die Kamera durch Ausstecken des USB-Kabels sofort abschalten kann.

Gretchenfrage: würde ich die Kamera kaufen? Ja, wenn ich wirklich eine transportable Video-Chat-Kamera brauche und diese Anforderung nicht von einem Smartphone oder Notebook mit eingebauter Kamera übernommen werden kann. Nein, wenn ich ein aktuelles Notebook mit fest eingebauter Kamera habe. Die USB-Kamera ist darüber hinaus vielleicht auch eine Option für „Spezialeinsätze“, z.B. das Filmen von Arbeitsschritten etc … allerdings braucht es dafür noch eine vernünftige Halterung.

Zumindest ist diese Kamera auch für Apple-Nutzer ein wesentlich überzeugenderes Angebot als die damaligen IP-Kameras.

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