Das „Mittelfränkische 107-Schraubertreffen“ hat seinen Einzugsbereich in den Gebieten Mittel-, Unter-, Oberfranken sowie Thüringen … und in Thüringen trafen wir uns dieses Mal bei herrlichem Frühlingswetter an einem Winter-Samstag.
Unser Gastgeber Kai hat ein ganz besonderes „Problemkind“ – einen 280SL aus Mai 1978, der seit über zehn Jahren nicht gelaufen ist und nun zum Leben wiedererweckt werden soll. Der Tank und die Benzinpumpen und -filter wurden erneuert, die Leitungen sind bereits erneuert bzw. durchgespült, dennoch startet der M110 leider nicht wie gewünscht: wird die Stauscheibe mit Bremsenreiniger benetzt, läuft der Motor kurz, bleibt dann aber stehen.
Daher gehen wir systematisch vor. Der Motor braucht zum Laufen
- Luft
- Kraftstoff
- Zündenergie
Luft ist vorhanden.
Die Zündanlage wurde inspiziert: der Zündzeitpunkt stimmt (auch wenn sicher noch eine Feinkorrektur nötig sein wird), alle Kerzen wurden herausgenommen, begutachtet und dann auch hinsichtlich Funkenentwicklung geprüft (nachdem der Motor unter Verwendung von Bremsenreiniger ja zündet, kann es die Zündanlage auch nicht wirklich sein).
Also muss das Problem auf der Kraftstoffseite zu suchen sein.
Die Messung der Benzindrücke ergibt keine Auffälligkeiten; also prüfen wir das Kaltstartventil. Der Ausbau ist etwas knifflig, aber möglich, und es zeigt sich, dass das Kaltstartventil bestens funktioniert: ein feiner Sprühkegel erscheint, sobald der Anlasser betätigt wird.

Nun ist guter Rat teuer – dann kann’s ja nur noch am Grauguss-Mengenteiler liegen. Nachdem wir (unter Festhalten der vorhandenen „Originaleinstellung“) versuchen, die Grundeinstellung des Mengenteilers zu korrigieren, ist die Hoffnung gross … aber leider springt der Motor immer noch nicht an.
(Kurzfassung Grundeinstellung: die CO-Schraube befindet sich unter einer Abdeckung und kann nur mit einem 3-mm-Inbus erreicht werden. Eine Verstellung erfolgt nur in sehr kleinen Intervallen – bestenfalls Viertelumdrehungen. Nach links – gegen den Uhrzeigersinn – wird abgemagert, nach rechts – im Uhrzeigersinn – wird angefettet. Die provisorische Grundeinstellung erfolgt so, dass bei laufender Kraftstoffpumpe und abgeschraubter Einspritzleitung kein Kraftstoff aus den Stutzen austritt; bei leichter Bewegung der Stauscheibe muss sofort eine Förderung einsetzen. Nachfolgende Feinjustage mit Motortester ist unbedingt erforderlich!)
Ein nennenswerter Kraftstoffaustritt aus den Stutzen ist aber nicht zu erreichen. Was nun?
Die Rücksprache mit Dr-Djet bringt den entscheidenden Hinweis: es ist durchaus möglich, dass die lange Standzeit sowie Schmutz (wir hatten im MT-Zulauf einen defekten Feinfilter gefunden!) dazu führen, dass entweder der Steuerkolben im Mengenteiler schwergängig wird oder aber darinnen befindliche Zumeß-Schlitze von weniger als 0,1 mm Stärke verlegt sind. Also: Mengenteiler ausbauen, Steuerkolben prüfen und ggf. das Innere des Mengenteilers vorsichtig mit Druckluft säubern.

Und tatsächlich: das war’s! Der Steuerkolben war und ist wunderbar leichtgängig, also muss es tatsächlich Schmutz gewesen sein.
Nach dem Zusammenbau springt der Motor an und übersteht auch die Warmlaufphase, als wäre nie etwas gewesen. Erfolg!
Was sonst noch war … perfektes Wetter, Sonne, Thüringer vom Grill und etliche andere kleine Fehlerdiagnosen und Instandsetzungen. Eine EU-Stoßstange am US-560 montiert, ein defektes Schubumluftventil am M116 (350 SLC) gefunden sowie eine undichte Kurbelgehäuseentlüftung instandgesetzt – und jeder hat viel gelernt.
Einen Dank an alle Teilnehmer!



