Streiche: Ranco, setze: Hamilton

Hinweis: nachdem die Arbeiten noch nicht mit vollem Erfolg abgeschlossen sind, wird diese Seite auch mehr oder weniger unregelmäßige Updates erfahren …

Erstveröffentlichung 2022-04-14, letztes Update 2022-04-21

Ausgangslage

Mercedes R107, Baudatum September 1977, mit der seinerzeit erhältlichen „Chrysler / Ranco“ – Klimaanlage. Leider funktioniert diese nicht: Heizen ist ebensowenig möglich wie ein Kühlbetrieb; immerhin läuft aber das Gebläse.

Recherchen im Netz ergeben folgendes:

  • Anlagen dieses Types bieten „massenhaft“ Störungsquellen, besonders häufig sind jedoch Ausfälle des Regulierventiles (A 000 830 03 84) sowie des zugehörigen Ansteuerverstärkers (A 000 835 00 57 / A 000 835 01 57) – wen es interessiert: in der „Sternzeit“ gibt es hierzu eine gute, wenn auch schon etwas ältere Übersichtsseite.
  • Sowohl der Verstärker als auch das Regulierventil sind jedoch NML, die letzten Preise vor Bestandsende waren auch unverschämt hoch (vierstelliger EUR-Bereich).

Daher soll das Fahrzeug auf die in den USA erhältliche „elektronische Regelung“ des Anbieters Hamilton umgebaut werden.

Dieses Kit kostet mit Versand nach Deutschland und der fälligen Importsteuer ca. EUR 500,-. Der Einbau soll laut Anbieter in ca. zwei Stunden zu machen sein – ob das stimmt, werden wir sehen.

In meinem Fahrzeug waren wohl durch einen Vorbesitzer schon Versuche an der Klimaanlage durchgeführt worden, der Anschlußstecker des Verstärkers jedenfalls war abgezogen und gesichert (die Anlage konnte also nicht funktionieren).

Notwendiges Werkzeug und Zubehör

  • handelsüblicher gutsortierter Werkzeugkasten
  • Stopfen zum Verschluss der geöffneten Kühlmittelleitungen
  • Kabelbinder
  • leuchtstarke Taschenlampe
  • einige Schlauchschellen in passender Größe (die alten Schellen sind kaum wieder verwendbar, außerdem ergeben sich mehr Trennstellen als zuvor und im Umbausatz liegen keine Schellen bei)
  • Silikonschlauch (zum Verbinden aufgetrennter Unterdruckleitungen)
  • Teflonschlauch (als Ersatz brüchiger / defekter Unterdruckleitungen)
  • Unterdruck-Handpumpe mit Manometer, Schlauchadaptern und Anschlußstücken

Ausbau der Ranco-Technik

Batterie abklemmen.

Im WIS ist unter 83-632 der Ausbau des Regulierventiles beschrieben. Entgegen der Darstellung ist es m.M.n. nicht notwendig, Kühlmittel abzulassen; es tritt nur eine relativ geringe Menge aus. Allerdings sollte der Motor abgekühlt sein!

Screenshot aus WIS

Die mechanische Befestigung des Regulierventiles geschieht durch zwei Schrauben im Haltebügel (oben mit Nr. 52 gekennzeichnet), die in Richtung Schottwand „tief unten“ liegen und mit „Erwachsenenhänden“ schlecht erreichbar sind. Geduldsspiel, aber immerhin müssen wir sie nur lösen, nicht wieder montieren.

Auch die Demontage der Wasserschläuche ist aufgrund der Enge etwas fummelig, aber machbar. An der Unterseite des Regulierventiles sind zwei Unterdruckleitungen befestigt, diese müssen auch getrennt werden (ggf. auch an der Abzweigung oberhalb des Regulierventiles – Zuordnung merken oder Foto machen). Nach einiger Zeit hat man dann das Regulierventil in der Hand und kann es vorsichtig beiseitelegen.

Einbau der Hamilton-Technik

Elektrik (Entfall des Verstärkers)

Der zur Ansteuerung des Regulierventiles dienende Verstärker sitzt beim R107 an „fast nicht erreichbarer Stelle“ tief im Armaturenbrett, links hinter dem beifahrerseitigen Handschuhfach, recht tief am Heizungskasten. Es ist also nötig, die Fußraumverkleidung zu entfernen, um mindestens an die Steckverbindung zu gelangen.

Die Hamilton-Einbauanleitung gibt genau an, welche Pins des Steckers mit den bereitliegenden Adapterbrücken überbrückt werden müssen. Bitte genau hinschauen.

Ausriß aus der Hamilton-Installationsanleitung

Aufgrund der miesen Zugänglichkeit des Verstärkers bzw. seiner Befestigungsschrauben habe ich mich entschlossen, den Verstärker an Ort und Stelle zu belassen.

Wasserkreis

Im Motorraum werden nun anstelle des ausgebauten Regulierventiles zwei Leitungen verlegt … und hier ist die Hamilton-Anleitung etwas mißverständlich formuliert, daher folgende Bilder:

Das Kupferrohr verbindet die beiden Stutzen der „Return Side“ (Rücklaufseite). Die „Source Side“ (Vorlaufseite) bekommt von der Zusatzwasserpumpe aus gesehen erst das Adapterstück zur Durchmesseranpassung, dann ein Stück Schlauch und schließlich das eigentliche neue Ventil eingesetzt. Die „weisse Seite“ des neuen Ventils zeigt stromab zum Heizungswärmetauscher! Und genau für diese Basteleien werden Schlauchschellen benötigt, möglicherweise ist es sogar erforderlich, bestehende Schläuche etwas einzukürzen, um alle neuen Komponenten unterzubringen.

Das neu verbaute Ventil habe ich gegenüber dem im letzten Bild dargestellten Stand noch etwas geneigter eingebaut, um oberhalb etwas mehr Freiraum zu gewinnen …

Unterdruckanschlüsse

Hier hat Hamilton in seiner Anleitung eine sehr schöne Darstellung gewählt, die an und für sich auch gut umsetzbar ist … wenn nicht – wie bei meinem Fahrzeug festgestellt – die Gummianschlußstückchen in der Steckverbindung allesamt total porös und brüchig sind. Daher blieb mir dann nichts anderes übrig, als alle benötigten Unterdruckleitungen abzutrennen und mittels Silikonschlauch neu auf die entsprechenden Hamilton-Anschlüsse aufzustecken.

Bitte nicht vergessen: das System benötigt einen Anschluß an die Haupt-Unterdruckleitung (beim R107 neben dem Kühlmittel-Ausgleichsbehälter gut erreichbar), ausserdem muss die schwarz-gelbe Leitung des Bimetall-Unterdruckschalters an der Unterseite des Regulierventiles noch kurzgeschlossen werden.

Elektrik (Anschluß der neuen Steuerungsbox)

Das ist eigentlich nicht sonderlich kompliziert … die vom ausgebauten Regulierventil abgezogenen Steckverbinder werden (bitte passend!) in die Steckerleisten der Hamilton-Box eingesteckt. Allerdings war es bei mir nötig, den mit Klebeband / Gewebeband gewickelten Originalkabelbaum auf der Länge von einige cm vorsichtig aufzuschneiden, um etwas mehr „Freiheit“ zu erlangen.

mechanische Befestigung der Komponenten

Tja, da wird’s jetzt schwierig … zumindest beim R107. Die Hamilton-Anleitung meint lapidar „feel free to use cable ties“ (sinngemäß: „mit Kabelbindern befestigen“), aber das ist aufgrund der beengten Platzverhältnisse im R107 nicht so einfach. Meine erste Idee, die Box seitlich hochkant stehend am übriggebliebenen Haltebügel des herausgenommenen Regulierventiles zu befestigten, ließ sich nicht umsetzen – die Haube ist zu flach. Daher habe ich eine Kombination aus einem Lochstreifenblech sowie zwei Kabelbindern gewählt und damit die Box „windschief“ in den zur Verfügung stehenden Bauraum eingesetzt, aber das ist sicher nur ein Provisorium und gefällt mir nicht. Erschwerend kommt hinzu, dass ich nicht an den dauerhaft sicheren Sitz der elektrischen Steckverbindungen glaube und auch die Stabilität der von Hamilton verwendeten Klarsichtschläuche gegen hohe Umgebungstemperaturen sowie Unterdruck bezweifle.

Höchstwahrscheinlich werde ich den mechanischen Einbau daher nochmals abändern.

Funktionsprobe

Nach dem vorläufigen Abschluss der Arbeiten bitte erst nochmal kontrollieren, dass alles richtig zusammengebaut und zusammengesteckt ist (die Fußraumverkleidung und das Handschuhfach werden erst später wieder montiert) und dass keine losen Teile im Motorraum übrig geblieben sind.

Kühlmittelstand im Ausgleichsbehälter prüfen, ggf. nachfüllen.

Batterie anschließen.

Motor starten und warmlaufen lassen. Anschließend können die verschiedenen Betriebsmodi ausgetestet werden.

Ergebnis

Der bis hierher benötigte Zeitaufwand lag bei ca. fünf Arbeitsstunden (zur Erinnerung: Hamilton nannte ca. zwei Stunden erforderlichen Zeitaufwandes).

In meinem Falle hat sich bislang leider auch nur ein Teilerfolg eingestellt … immerhin verfügt der Wagen jetzt wieder über eine Heizung, und bei „DEFROST“ wird es umgehend richtig ordentlich warm.

Allerdings ist noch keine Temperaturregelung möglich, was wohl heisst, dass weitere Fehler vorhanden sind, die ich jetzt suchen muss (z.B. Leckagen / Defekte im Unterdrucksystem). Der Kältemittelverdichter springt nur bei DEFROST an.

Der Fühlerkettenabgleich nach WIS zeigt alle Werte im Sollbereich.

Eine genauere Untersuchung anhand der WIS-Schritte bringt mich darauf, dass der Hauptschalter (19) nicht aktiviert wird, der Grund hierfür ist offensichtlich „mangelnder Unterdruck“. Ein Durchtesten der einzelnen Leitungsabschnitte zeigt rasch, dass die „Sollbelüftungsstelle“ (38) zu undicht ist … hier verschwindet mit der Handpumpe testhalber eingebrachter Unterdruck sofort.

Allerdings lässt sich dieser Fehler rasch beheben: diese „Sollbelüftungsstelle“ besteht tatsächlich aus einer aufgerollten Kupferlitze, die mittels Gummimuffe in die Unterdruckleitung eingesteckt ist. Sieht ziemlich schräg aus, gehört aber so. Und weil das wohl ein paar Meter Kupferkabel sind, kann man ganz einfach die zur Undichtigkeit führenden vordersten zehn Zentimeter abschneiden und das System „neu stecken“ … schon wird der Hauptschalter bei laufendem Motor aktiviert, und auch der Klimakompressor schaltet willig zu.

Dummerweise wird der Unterdruck im Unterdrucksystem entgegen der Vorgabe keine zehn Minuten gehalten, es ist also weitere Nacharbeit absehbar. Ob das Regelverhalten nun tatsächlich wie gewollt einsetzt, kann ich noch nicht sagen.

Übrigens: die fahrerseitige Kugeldüse lässt sich auch nicht absperren (Zug ausgehängt?).

Damit wird es absehbar nicht langweilig …

%d Bloggern gefällt das: