Der Golden Guzzler ist nun schon zwei Jahre bei uns … und wir waren damit bislang tatsächlich nur im engeren Umkreis ums Frankenland unterwegs. Das ändert sich: der Guzzler geht auf Bergtour!
Mit den Freunden vom Mittelfränkischen Schraubertreffen haben wir einen schönen Plan vorbereitet; wir reisen am 23.06.2023 mit knapp 10 unterschiedlichen SL innerhalb von drei Tagen nach Südtirol und verbringen dort etliche Kilometer auf Bergstrecken und Pässen.
Am 26.06. treten unsere Freunde dann die Heimreise an; wir nutzen jedoch die Gelegenheit, mit dem Guzzler noch etwas weiter nach Italien vorzustoßen und wollen auch für eine Woche an der Adria das Dolce Vita geniessen, bevor wir dann über Friaul, evtl. mit einem Abstecher nach Slowenien, über Villach wieder Richtung Norden zurückkehren.
Der Plan.
Freitag, 23.06.2023 – Anreise von Nürnberg aus. Erster Treffpunkt um 09:30 h am Autohof Ellwangen, zweiter Treffpunkt (für südliche Teilnehmer) das Landhotel Wiesbauer in Füssen, wo wir eine Mittagsrast einlegen wollen.
Von dort aus geht es dann über die Alpen nach Schenna, ins Hotel Finkenhof, wo wir drei Nächte bleiben.
Samstag, 24.06.2023 – „Grosse Dolomitenpässe“ stehen auf dem Programm.
Erster Teilabschnitt – Finkenhof –> Valparolapass (gute 4 h Fahrzeit!)
Zweiter Teilabschnitt – vom Valparolapass über das Grödnerjoch zurück zum Hotel (nochmal 2,5 h)
Sonntag, 25.06.2023 – „Sarntalrunde“ mit Mittagsrast im Pretzhof. Gute 4 h Fahrzeit.
Montag, 26.06.2023 – die Freunde fahren über den Reschenpass zurück in die Heimat, wir nehmen die andere Richtung und starten dann im Alleingang durch nach …
… Süden.
Die Umsetzung.
23.06.2023 – 07:45 h – 150.688 mls: es geht los. Über A6 und A7 zum Treffpunkt „Autohof Ellwangen, Parkplatz an der Esso-Station“, wo wir erstmal vergeblich warten … denn die Gruppe hat den Autohof mit der Raststätte „Ellwanger Berge“ verwechselt, die ebenfalls von Esso betrieben wird – ich hatte mir im Vorbeifahren schon sowas gedacht. Statt um 09:30 h starten wir gegen 09:45 h zur nächsten Etappe und sind gegen zwölf am Landgasthof Wiesbauer.
Ein zu ausgiebiges Mittagessen später, und wir starten durch 🇦🇹 Österreich (warum ist da soviel Verkehr?) und zielen auf die Berge. Tankstopp in Imst, dann gehts bergauf. Leider verlieren wir in Ötz einige Tourenteilnehmer, die dann spontan den Reschenpass anstelle des Timmelsjoches befahren.
Das Timmelsjoch (Maut: 18 Euro) liegt hoch und ist unerwartet kühl; die WCs an der Mautstelle Hochgurgl übersehen wir erstmal ganz gekonnt und Stephan fährt mit heraustropfendem Kühlwasser schnell an uns vorbei (das ist allerdings harmloser als es aussieht, stellt sich später heraus – der falsche 1-bar-Deckel sitzt auf dem Ausgleichsbehälter, und einen besser geeigneten mit 1,4 bar hat er sogar dabei – korrekt wären jedoch 1,2 bar…).






Nach dem Fotohalt gehts runter nach 🇮🇹 Italien – massig Kurven, und gegen kurz vor 19 Uhr treffen beide Gruppen zufälligerweise zeitgleich am Hotel ein, wo es zunächst aber keine Parkplätze gibt. Dieses Problem wird gelöst, während wir einchecken.
Die Zimmer sind sehr schön, das Hotel macht einen guten Eindruck (auch wenn wir für das Zimmer 411 erstmal die Schlüssel für 414 bekommen, was natürlich nicht funktioniert).
24.06.2023 – eigentlich stehen etliche Pässe auf dem Programm, aber es war schon im Vorfeld klar, dass diese Planung zu anspruchsvoll ist. Nach dem Start gegen 09:40 h rollen wir durch Bozen, wo Stephan gleich mal auf einer Kreuzung liegenbleibt – der erste Ausfall. Zu acht geht es weiter auf die SS241, und beim Anstieg entwickelt der 500 SL von Hannes, der vor mir rollt, dermassen große Ölwolken, dass ich ihm einen Stopp signalisiere. Es zeigt sich: die Ventildeckeldichtung ist massiv undicht, es tropft Öl bis auf die Straße, an eine Weiterfahrt ist nicht zu denken. Der ADAC-Notruf arbeitet recht umständlich, aber nach einer Stunde können wir Linda und Hannes beruhigt einen guten Kilometer vor dem Karersee zurücklassen, wo sie bald eingesammelt werden sollten.
Am Karersee ein kurzer Stopp vor grandioser Kulisse, dann gehts zu siebt weiter nach Canazei, wo wir in einer kleinen Station mit tollem Ausblick unser Mittagessen einnehmen.










Den Rückweg wählen wir über die Nordroute mit einem Abzweig über Kastelruth. Otto fährt vor, und wir legen einige Sonderprüfungen „Wenden im Konvoi“ ein, bis wir nach einem Tankstopp schließlich kurz nach sechs wieder im Hotel landen. Ute, Stephan, Linda und Hannes sind schon da und haben den Nachmittag am Pool genossen – ich springe auch noch mal schnell hinein.
25.06.2003 – Stephan und Ute reisen ab, Ralf und Katrin möchten lieber Meran erkunden … aber immerhin 6 SL machen sich auf den Weg durchs Sarntal, über den Jaufenpass, zur Mittagsrast im Pretzhof.
Ziemlich satt gehts auf die Rückfahrt, via Penser Joch (angestrengte Bergfahrt für unsere Oldies, die Kühlmittelthermometer steigen doch deutlich) und Bozen zurück nach Schenna. Dort wartet der Pool, der heute mit viel Freude zur Bar umfunktioniert wird … und unsere Sprünge sorgen für lautes Gejohle!






26.06.2003 – unsere Wege trennen sich. Während Hannes und Linda in Erwartung der Reparatur ihres 500 SL noch etwas länger im Finkenhof bleiben werden, fahren die restlichen Tourteilnehmer nach Norden zurück; wir jedoch steuern über Bozen und den Menghen-Pass das südöstlich gelegene Padova an (ca. 4 h Fahrtzeit über die ausgewählte Strecke via SP31).
Der über 2000 m hoch gelegene Menghen-Pass ist übrigens ein echtes Abenteuer: solch enge steile Spitzkehren bin ich noch nie gefahren, und außerdem kommt doch immer wieder mal Gegenverkehr. Toll. Und ein Paradies für Motorradfahrer.
Drüben gehts etwas großzügiger wieder nach unten, und im Tal wird es uns dann ziemlich heiß. Wir stoppen an einem Supermarkt, trinken einen Kaffee, nutzen die Toiletten, kaufen Wasser, schließen (wegen der Sonne) das Verdeck und fahren weiter. Spaßig – der Guzzler fällt auf dem Parkplatz wirklich auf: Kinder staunen und machen Bilder, und Erwachsene bremsen, hupen, recken dem Daumen und rufen „Bella macchina!“
In Padua streikt unser Navi, aber wir finden das Hotel Patavium trotzdem. Sehr nett und modern, in der Altstadt gelegen, mit einer kühlen und engen Garage. Mit dem W126 wäre das Parken dort unmöglich …
27.06.2023 – Pause in Padua. Wir erkunden die fast 3000 Jahre alte Stadt zu Fuß, der Guzzler darf sich in seiner Garage ausruhen. Interessantes Detail am Rande: Padua verfügt über eine gummibereifte Einschienenstrassenbahn (System Translohr), die Existenz dieser weltweit im Verschwinden begriffenen Skurrilität war mir bislang vollkommen unbekannt.
Padua zu Fuß: heiß und hell, aber sehenswert. Markt, Café Pedrocchi (mit Minze, kalt oder warm), Palazzo Bo, … und ganz zu Beginn natürlich die Cappella degli Scrovegni mit den Fresken von Giotti du Bondone (ein Weltkulturerbe).

28.06.2023 – es geht weiter, die italienischen Landstraßen rufen.
Wir fahren von Padova über Chioggia (Bild), Sottomarina, Isola Albarella – immer an der Küste entlang – bis nach Zadina. Eine Mittagspause gibt‘s in Comacchio. Am frühen Nachmittag erreichen wir unser Standquartier für die kommenden acht Tage: das Hotel Renzo kennen und schätzen wir seit Jahrzehnten.
29.06.2023 – ein Vogelschiss auf dem neuwertigen Verdeck! Ganz schlimm 😉 – aber das ist alles noch frisch und feucht und lässt sich mit Papiertuch und Gartenschlauch leicht entfernen. Trotzdem wird umgeparkt; ab sofort steht der Guzzler „unter Dach“. Übrigens soll ein Vogelschiss ja Glück bringen 🍀
01.07.2023: nach einem Ruhetag sind wir heute doch wieder unterwegs … ein Ausflug ins Romagna Center und ein Abstecher nach Rimini stehen an. Parken in Rimini ist leider nicht mehr so simpel wie früher, und es hängen drückende Gewitterwolken am Himmel; daher rollen wir einfach nur einmal durch die Altstadt und an der Marina entlang, bevor wir den Rückweg antreten und dabei auch noch durch Cesenatico cruisen.
❤️🇮🇹 Ich mag die Italiener: wir bekommen mit dem Guzzler wieder viel Zustimmung, und sogar ein junges Pärchen, das uns in Rimini auf dem Motorroller überholt, grinst, streckt die Daumen nach oben und freut sich. Hier gibt es offenbar deutlich weniger griesgrämige Ideologen als zuhause in Deutschland…
28 Miles to San Marino 🇸🇲 – am 03.07.2023 verlässt der Guzzler kurzzeitig die EU. Allerdings müssen wir feststellen, dass (Falsch-)Parken mit diesem auffälligen Fahrzeug ziemlich teuer werden kann … 50 EUR für 10 Minuten … aber dafür gibt’s auch einige schöne Erinnerungsfotos …



Der Ausflug ist bald vorbei … zurück nach Italien, vorher wird nochmal vergleichsweise günstig vollgetankt (Super 95 kostet heute in 🇸🇲 ca. 1,71 ggü. 1,85 in 🇮🇹).

06.07.2023 – Abreise aus Zadina, wir steuern über Landstraßen Ferrara an … das haben wir nämlich auch noch nie von innen gesehen.
Spoiler: Ferrara ist zwar „ganz nett“, aber auch nicht viel mehr – wenn man Padua, Bologna oder Ravenna schon kennt. Würden wir nochmals nach Ferrara fahren? Nein, aus dem genannten Grund…
Anschließend geht es in feuchter Atmosphäre bei häufigen Regenschauern und deshalb mit geschlossenem Verdeck per mautpflichtiger Autostrada in Richtung Villach; kurz vor der 🇦🇹 Grenze müssen wir dann noch das „bollino per austria“ kaufen und ein letzter Cappuccino wird konsumiert.

Der „Bacherwirt“ in Villach war uns bisher nur durch seinen Biergarten bekannt, den wir vor einigen Jahren als Mittagsrast auf dem damaligen Weg nach Slowenien gefunden hatten – diesesmal testen wir die Hotelqualitäten, das Zimmer ist jedenfalls recht ansprechend und die Leute sind ausnehmend freundlich. Im Biergarten gibt’s ein Abendessen und – klar: ein Bier.
07.07.2023 – „hat’s des alte Auto vom schönen Frankenland wirklich bis hierher geschafft!?“ – so wurde der Guzzler vorhin am Faaker See von einer älteren Dame begrüßt.
„Klar, und noch weiter – wir kommen von San Marino!“ – „Ach, wirklich? Toll! Ja, die alten Autos waren doch besser als das neue Zeugs …“
… da mag man ihr kaum widersprechen 😉

Der heutige Tag hat uns wieder fast 100 km unerwarteter Eindrücke beschert:
Schloss Landskron mit dem Affenberg, und danach die „Villacher Alpenstrasse“, die zum Dobratsch bis auf 1735 m hinaufführt (erst seit 1965 existent, mautpflichtig).
Abschließend der Umweg zum Faaker See. Ein toller Ausflug mit offenem Verdeck. Und der Sprit ist hier doch auch vergleichsweise billig, mit EUR 1,514 am heutigen Vormittag immerhin nochmal 20 Cent weniger als in San Marino.
08.07.2023 – die Heimreise, relativ unspektakulär … angesichts der großen zurückzulegenden Distanz und des warmen Wetters nutzen wir nahezu durchgängig die Autobahn. In Anif nahe Salzburg erfolgt ein letzter Tankstopp zum günstigen Tarif (EUR 1,48 in 🇦🇹). An der Grenze zu Deutschland 🇩🇪 stehen wir dann gleich mal im Stau und stellen fest, dass die Belüftung im Fahrzeug dummerweise immer noch nicht richtig funktioniert – egal ob mit oder ohne Kompressor, nach ein paar Minuten kommt auch bei „MIN“-Einstellung urplötzlich sehr warme Luft aus den Düsen. Daher wird die letzte Etappe bei Außentemperaturen von über dreißig Grad doch etwas anstrengend. Wir sind schließlich froh, wieder zuhause zu sein. Das Volltanken zum Schluß zeigt uns wieder knallhart, wo wir angekommen sind: hier kostet der Liter Superbenzin stolze EUR 1,819, der deutschen Politik und ihrer Einflußnahmen sei Dank.
Der Meilenzähler stoppt bei 152.218 mls.
Das Fazit.
1.530 gefahrene Meilen entsprechen 2.448 km. Keine Panne, keine unerwartete Störung. 15 Tage voller Erlebnis, neuer Eindrücke, toller Erfahrungen.
372,67 Liter Superbenzin wurden in CO2 und Vortrieb umgesetzt, das entspricht einem Durchschnittsverbrauch von 15,22 l/100 km (zur Einordnung: der Guzzler ist nach Tabellenbuch mit einem „Kraftstoffverbrauch bei durchschnittlichen Überlandfahrten“ von 15 – 26 l/100 km beschrieben) – wir liegen also im unteren Erwartungsbereich, obwohl der Wagen durchaus gefordert wurde.
Motoröl? Klar doch, haben wir auch gebraucht; ich habe unterwegs 2 x je 1 Liter nachgefüllt, was rechnerisch einem Verbrauch von 0,8 l/1000 km entspricht – nach Tabellenbuch wären maximal sogar 0,25 Liter auf 100 km zulässig (was mir aber auch für die alten Graugussmotoren zu hoch erscheint).
Kosten für Sprit, Öl und Verschleiß rechne ich hier nicht weiter auf – denn der Spaß an einem solchen Erlebnis, einer solchen Reise, einer solchen gemeinsamen Ausfahrt mit netten Menschen ist unbezahlbar.
Würden wir diese Reise nochmals unternehmen? Unbedingt, allerdings lieber noch mit einer korrekt funktionierenden Heiz-/Klimaanlage im Auto 😉
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