Schade um die alten Häuser

Auch wenn der Online-Auftritt von „Nordbayern.de“ immer weiter an Niveau verliert … manchmal finden sich dort zwischen Pop-Up-Fenstern, Werbebannern und billigsten Anreissern doch noch lesenswerte Beiträge.

So zum Beispiel dieser hier, der sich mit der Wärmedämmung von Altbauten beschäftigt.

Besonders eindrücklich ist das zugehörige Bild, welches am Beispiel der Helenenstrasse 46 zeigt, wie sich ein prächtiger Altbau nach der „Verbesserung“ präsentiert.

Während man links noch das eindrucksvolle Sandsteinmauerwerk und eine ausgewogene Fensterteilung erkennt, hat sich am spiegelbildlichen Gebäude rechts der Eindruck nicht zum Besseren verändert … die Fenster werden schmal und tief, sie gleichen unfreundlichen Schießscharten.

Die Fassade ist glatt und hell und bietet keine Struktur mehr, da auch alle Ornamente verschwunden sind. Das Haus ist „gesichtslos“ geworden; man erkennt allerdings schon noch, dass es kein Stahlbeton-Neubau, sondern ein Uraltbau ist, dem von seinen Eigentümern übel mitgespielt wurde.

Abseits der Betrachtung durch die Brille der Denkmalschützer und Ästheten: was man leider nie zu sehen bekommt, sind die zugehörigen Innenansichten dieser Häuser vor und nach der „energetischen Sanierung“.

Die schmalen und tiefen Fenster lassen im Vergleich zu früher viel weniger Tageslicht einfallen. Ungesteuerte Frischluftzufuhr ist aus Gründen der Energieersparnis ohnehin nicht erwünscht – aber die wenigsten Altbauten bekommen dann die eigentlich erforderliche Belüftungsanlage, die für andauernden Stromverbrauch sorgt und deren Nachrüstung aufgrund der entstehenden permanenten Geräuschkulisse meist unterbleibt. Die Folge davon? Ein drastisch schlechteres Raumklima – die Räume werden „miefig“ und die Gefahr von Schimmelbefall steigt, weil der im Originalzustand mögliche Luftaustausch durch Fensterritzen und Türen nicht mehr gegeben ist.

Einen Altbau wirklich fachgerecht energetisch zu sanieren, kostet gleichviel oder gar mehr als ein entsprechender Neubau.

Da bin ich nun mal gespannt, welche Blüten die absehbare Politik zur Folge haben wird, die sich ja die Verringerung des CO2-Ausstoßes auch bei Bestandsgebäuden auf die Fahnen geschrieben hat.

Logisch konsequent wäre: „Abriss und Neubau in großem Stile“ oder „Altbaubewohner dürfen nicht mehr heizen können, wie sie es gewohnt sind“. Ersteres ist unbezahlbar (und auch nicht durchführbar, da hierfür temporärer Wohnraum fehlt), zweiteres wird von den Protagonisten schamhaft verschwiegen.

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