Back to the future – really?

Über die Versuche der Grünen, eine Förderung für Lastenräder durchzusetzen und damit vermeintlich die Verkehrswende zu befördern, wird derzeit ja überall diskutiert. Auch Sixt hat dazu Stellung bezogen, wie mir letzthin aufgefallen war.

Bild: Bündnis90 / Die Grünen

Das oben abgebildete Werbeplakat der Grünen wurde bereits in epischer Breite kommentiert, so beispielsweise in der FAZ. Manche belächeln das gezeigte, andere verteidigen es mit heiligem Ernst.

Nun ist mir allerdings ein Bild als Netzfund zugelaufen, das mir das Lächeln stocken lässt:

Fundsache: Kindergartenshuttle aus Taiwan, um 1965

Man muss wissen, dass das Bild aus der Zeit um 1965 stammt und in Taiwan aufgenommen wurde. Der chinesischsprachige Text obendrüber meint sinngemäß: „Transportmittel für Kindergartenkinder begüterter Familien“.
Das ist eine charmante Parallele zur aktuellen Situation – Lastenräder werden teilweise als „ethisches Status-Symbol wohnsituierter Großstadtfamilien“ verspottet.

Dort sollen wir also wieder hin – ernsthaft?

Nicht falsch verstehen: Fahrradfahren ist toll, mache ich gerne – in der Freizeit. Lastenräder sind sicher auch prima – für bestimmte Einsatzzwecke.

Aber ein funktionierendes Wirtschaftsleben ist auf leistungsfähige Transportmittel für jeden angewiesen, die auch bei Dunkelheit, kaltem Wind und ggf. Schneetreiben zuverlässig funktionieren (mit Schneetreiben war damals und ist heute noch auf Taiwan übrigens nicht zu rechnen). Und von daher habe ich Zweifel, dass das wirklich in aller Breite der Weg in die Zukunft sein kann und wird.

Es sei denn, man möchte die persönliche und individuelle Mobilität einschränken – sowohl räumlich als auch zeitlich.

Nebenbei bemerkt: der Oldtimer aus Taiwan kommt mir in mancher Hinsicht sogar ausgereifter vor als das Fahrzeug vom grünen Werbeplakat: die Kinder sitzen geschützter und haben mehr Platz; außerdem dienen sie nicht als Knautschzone für den Fahrer. Vielleicht liesse sich aus diesem Konzept gar ein e-Bike als Wohnmobil für alternativ angehauchte Mitbürger machen?

Bleibt halt nur das Parkplatzproblem, das mit den heutigen (noch relativ wenigen) Lastenrädern ja schon für Verteilungskämpfe in innerstädtischen Bereichen sorgt – zwei Lastenräder benötigen nämlich denselben Parkraum wie ein Kleintransporter. Kleintransporter müssen üblicherweise auf der Strasse parken, aber Lastenräder wollen gerne in eine Garage oder einen Abstellraum … weil sie sonst ganz schnell unauffindbar werden. Und Garagen sind in urbanen Gegenden rar und teuer, für Autos wie für Lastenräder.

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